Unternehmen — System — Systemindifferente Merkmale
Unternehmen können auf ganz unterschiedliche Arten betrachtet werden. Dabei spricht man oft vom Unternehmen als System und von systemdifferenten sowie systembezogenen Merkmalen eines Unternehmens. — Doch was bedeutet dies genau und gibt es einen Zusammenhang zwischen diesen Begriffen?
Das Unternehmen als System
Schauen wir uns den Begriff des Unternehmens als System etwas genauer an. Dabei geht es darum, dass jedes Unternehmen aus vielen Teilen besteht, welche wie ein Netzwerk von Zahnrädern ineinander greifen. Die Verknüpfungen der einzelnen Teile folgen ganz spezifischen Gesetzmässigkeiten und sind nicht einfach zufällig. Daraus ergibt sich ein komplexes System von Abhängigkeiten, welches sich sehr dynamisch in seinem Umfeld bewegt.
Nach der Systemtheorie, welche von Hans Ulrich in den 70-er Jahren des letzten Jahrhunderts massgeblich geprägt wurde, spricht man vom Unternehmen als ein offenes, produktives und soziales System.
- offen: Ein Unternehmen steht in ständigem Austausch mit seiner Umwelt und ist daher nicht in sich abgeschlossen.
- produktiv: Die Hauptaufgabe besteht natürlich in der Produktion von Gütern und Dienstleistungen.
- sozial: Hier geht es darum, dass man sich in keinem Unternehmen dem Faktor Mensch entziehen kann. Es ist von Menschen geschaffen und Menschen arbeiten darin zusammen.
Auf diesen Eckpfeilern basiert auch das von Herrn Ulrich ins Leben gerufene St. Galler Managementmodell.
Merkmale eines Unternehmens
Bei dem Betrachten der Merkmale eines Unternehmens unterscheidet man diese gerne in so genannte systemindifferente und systembezogene Unternehmensmerkmale. Aber Achtung! Hier sprechen wir von einem ganz anderen System:
Aufgepasst: Mit System bezeichnet man in diesem Kontext das Wirtschaftssystem! System wird dabei nicht im Sinne einer Metapher für das Unternehmen verwendet.
Die zwei wohl bekanntesten und auch stark unterschiedlichen Wirtschaftssysteme sind die Marktwirtschaft und die Planwirtschaft. Systembezogene Merkmale beziehen sich nun auf den Kontext des jeweiligen Wirtschaftssystems. Und im Falle von systemindifferenten Merkmalen spricht man von unabhängigen, in jedem System anzutreffenden Merkmalen.
Systemindifferente Merkmale
- Kombination der Produktionsfaktoren: In jedem Betrieb müssen Produktionsfaktoren wie Inputgüter und menschliche Arbeit miteinander kombiniert werden, um eine Leistung (Output) zu erbringen.
- Diese Kombination erfolgt nach dem ökonomischen Prinzip: Für längere Zeit versucht jeder Betrieb nach diesem Prinzip aufgrund der Knappheit der Güter zu handeln. Dieses Prinzip kommt in drei Ausprägungen vor:
- Prinzip der Outputmaximierung: Mit einem gegebenen Input soll ein möglichst hoher Output erzielt werden,
- Prinzip der Inputminimierung: Ein vorgegebener Output soll mit einem möglichst kleinen Input an Produktionsfaktoren realisiert werden,
- Prinzip des optimalen Input-Outputverhältnisses: Input und Output sollen so aufeinander abgestimmt werden, dass das ökonomische Problem nach den festgelegten Kriterien optimal gelöst wird.
- Jeder Betrieb sollte versuchen, seinen Zahlungsverpflichtungen nachzukommen. Dieses Prinzip heisst Prinzip des finanziellen Gleichgewichts.
Systembezogene Merkmale
Bei diesen Merkmalen handelt es sich um solche, welche vom jeweiligen Wirtschaftssystem abhängig sind. Diese sind als gesondert zu betrachten. Schauen wir uns dazu zuerst die drei wichtigsten Merkmale der Marktwirtschaft an:
- Autonomieprinzip: Für den Betrieb in der Marktwirtschaft ist charakteristisch, dass er seine Entscheidungen eigenständig treffen kann. Dieses Prinzip beinhaltet die Nutzung von Marktchancen, aber auch die Gefahr von Risiken des Misslingens, die ohne Hilfe des Staates getragen werden müssen.
- Erwerbswirtschaftliches Prinzip: Dieses Prinzip fordert, dass ein Unternehmen langfristig einen möglichst hohen Gewinn auf dem eingesetzten Kapital erzielen sollte.
- Prinzip des Privateigentums: Dieses Prinzip besagt, dass den Eigenkapitalgebern das Privateigentum an den Produktionsmitteln zukommt. Daraus leitet sich der Anspruch der Eigenkapitalgeber auf Alleinbestimmung, d. h. auf die mittelbare und unmittelbare Geschäftsführung, ab.
Im Gegensatz dazu gelten die folgenden Merkmale in der Planwirtschaft:
- Organprinzip: Gemäss diesem Prinzip sind die öffentlichen Betriebe ausführende Organe des Staates. Die Pläne eines Betriebes können deshalb nicht auf den Markt ausgerichtet werden, sondern werden aufgrund eines zentralen Volkswirtschaftsplanes hinsichtlich Menge, Qualität und Zeit festgelegt.
- Prinzip der Planerfüllung: Die öffentlichen Betriebe richten ihr Handeln auf die Erfüllung des von den staatlichen Planungsstellen vorgegebenen Planes aus.
- Prinzip des Gemeineigentums: An die Stelle des Privateigentums tritt das Gemeineigentum. Es besteht folglich ein gesellschaftlicher Anspruch auf Mitbestimmung.
Unterschied der beiden Unternehmensbetrachtungen
Die Einteilung in systemindifferente und systembezogene Merkmale stammt von Erich Gutenberg. Er hat versucht die Betriebswirtschaftslehre als ein in sich geschlossenes System zu betrachten. Diese führte ihn zu einem sehr mathematischen Ansatz, welcher den Faktor Mensch und seine teilweise irrationalen Verhaltensweisen nicht einbezieht.
Hans Ulrich hat im Gegensatz dazu dem Faktor Mensch einen hohen Stellenwert gegeben und spricht darum auch vom Unternehmen als ein soziales System. Die verschiedenen Faktoren stehen in starken Wechselbeziehungen, welche nicht zu vernachlässigen sind. Und die Erkenntnisse daraus ergeben gemäss seinen Betrachtungen eine bessere Strukturierung von Steuerung- und Führungsproblemen in Unternehmen.
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